Die Tragödie von 1965

In der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober 1965 ermordeten in Jakarta eine Handvoll linksgerichteter Armeeoffiziere sechs hochrangige Generäle, die sie des Landesverrats bezichtigten. Dieser Putschversuch wurde innerhalb von wenigen Tagen unter Führung von General Suharto niedergeschlagen.

Sofort nach den Ereignissen wurde in den Medien verbreitet, dass die Kommunistische Partei (PKI) für den Putschversuch verantwortlich sei. Im ganzen Land fanden Massenmorde an angeblichen und tatsächlichen Kommunisten statt. Im folgenden Jahr übergab Präsident Sukarno die Notstandsregierung an General Suharto. Hunderttausende wurden festgenommen und in verschiedene Kategorien von Gefangenen eingeteilt, von „gefährlichen“ PKI-Mitgliedern bis zu Kurzzeithäftlingen.

Die Zahl der Todesopfer ist bis heute unbekannt. Schätzungen reichen von einer halben bis drei Millionen Toten. Menschenrechtsorganisationen dokumentierten neben außergesetzlichen Tötungen Folter, Verschleppungen, Vergewaltigungen, sexuelle Sklaverei, willkürliche Verhaftungen, Zwangsarbeit und Vertreibungen.

Viele der Opfer, ihre Familien und sogar Nachkommen sehen sich bis heute Verletzungen ihre sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Rechte ausgesetzt und werden bis heute in Recht und in der Praxis diskriminiert. Von Beginn an wurde nur die eine Lesart der Ereignisse in den Medien, Schulen und Universitäten verbreitet. 

Nach dem Rücktritt von Suharto im Jahre 1998 änderte sich diese Situation im Grundsatz wenig. Es haben sich in der Zivilgesellschaft aber viele Ansätze entwickelt, sich mit den Geschehnissen auseinander zu setzen.

7. November 2026